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"Geschäftserfolg in Polen", Management Guide Polen, Herausgegeben von Cross-Culture Publishing 2006

 

Interview der Herausgeber mit Sven von der Heyden, Präsident der Von der Heyden Group.


Herr von der Heyden, Sie sind einer der Pioniere unter den deutschen Investoren in Polen. Sie starteten 1989 mit 25 Jahren am Nullpunkt in Polen, das heißt, mit wenig Wissen eher mit Vorurteilen über die Realität in Polen, keineswegs mit großem Kapital, jedoch mit hohem betriebswirtschaftlichen Know-how. Was hat sie damals bewogen, ein Geschäft in Polen zu gründen?


Sven von der Heyden: Halt! Hier muss ich Ihre Frage korrigieren! Denn gerade die NICHT vorhandenen Vorurteile über Polen haben mich hierher gebracht. Deutschland war mir schon damals zu klein, ich wollte irgendwie mehr bewegen als es mir in meinem Heimatland möglich gewesen wäre. Nach sechzehn Jahren können wir nicht ohne Stolz auf eine Vielzahl von wunderschönen Immobilienprojekten verweisen oder aber auch auf einige erfolgreiche Firmengruppen, welche ich mit Partnern gegründet habe, wie zum Beispiel die Iberia Motor Company oder aber IBB Hotels. Polen und die Polen haben mich damals schon fasziniert, die Geschichte und angesichts der Geschichte die Großzügigkeit und Wärme, die mir als Deutscher widerfahren ist. Ich glaube fest daran, dass man nur gute, langfristige Geschäfte machen kann, wenn das »human capital« stimmt. Mit wenig Kapital so wie wir damals bewegt man heute leider nur noch wenig.


 

Mit welchem Konzept gründeten Sie Ihre Firma?


Sven von der Heyden: Da möchte ich ganz ehrlich antworten, ein großes Konzept hatte ich nicht und konnte ich auch nicht angesichts von 2000 Prozent Inflation und russischen Soldaten in Polen haben. Allerdings haben sich nicht unsere Grundwerte verschoben, diese hatte ich vom ersten Tag an. Ich achte trotz der Vielzahl der Mitarbeiter noch heute penibel darauf, dass alle unsere Firmen höchsten ethischen Grundsätzen gerecht werden und hoffe, dass unsere Fehlerquote äußerst gering ist. Man kann also nicht unbedingt von einem Konzept sprechen, sondern eher von einer ehernen Grundhaltung.


 

Begannen Sie allein oder von Anfang an zusammen mit polnischen Partnern?


Sven von der Heyden: Wie Eingangs erwähnt hatte ich und habe auch noch Partner. Wir haben im wahrsten Sinn des Wortes so ziemlich alles durchgemacht – haben aber alles ordentlich abgewickelt. Die Joint Ventures mit öffentlichen Körperschaften waren immer etwas schwieriger, allerdings ist vielleicht meine bemerkenswerteste und vielleicht überraschenste Erkenntnis für Sie, dass man mit Geradlinigkeit und Ehrlichkeit sehr viel mehr erreichen kann als mit Korruption. Jeder denkt, dass man in Polen nur mit Korruption weiterkommt – das ist der größte Trugschluss bei vielen Investoren. Korruption vergiftet, unterminiert die Kultur eines Volkes und führt letztlich ins Gefängnis wenn man erwischt wird. Ich bin froh und stolz, immer mit reinem Gewissen an der Polnischen Grenze stehen zu können.


 

Wie haben Sie Partner und Mitarbeiter gefunden?


Sven von der Heyden: Sofern es mir möglich ist, führe ich abschließende Gespräche mit Mitarbeitern immer noch selbst. Gute und interessante Geschäftspartner findet man immer wieder, man muss nur ein Netzwerk von Menschen haben, das hier und da an die von der Heyden Gruppe denkt….. In Bezug auf Mitarbeiter ist das etwas anders gelagert. Ich habe zum Beispiel schon einen Mitarbeiter vom Strandrestaurant eines sechs Sterne Restaurants in den Seychellen zu uns nach Polen ins Hotelgeschäft gebracht….. Kürzlich ist es mir endlich auch gelungen, einen ganz wichtigen Mitarbeiter zu gewinnen. Er hat mich aber davor mehr als vier Jahre zappeln lassen. Um gute Leute zu finden, muss man kreativ und flexibel sein.


 

Das jüngste Erfolgsprojekt in der Reihe Ihrer Investitionen ist das Immobilienprojekt »Andersia Towers« in Poznan, die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2007 geplant. Der Start des Projektes liegt sicherlich einige Jahre früher. Es gelang Ihnen also, innerhalb von rund fünf bis sechs Jahren ein profitables Unternehmen aufzubauen. Beschreiben Sie doch bitte kurz diesen Ihren Wandlungsprozess in Polen, vom Start mit Skeptizismus zum erfolgreichen Unternehmer mit rund 100 Mitarbeitern?


 

Sven von der Heyden: "Andersia Tower" ist in der Tat schon vor vielen Jahren geplant worden und es hat uns einiges an Energie, Zeit und Geld gekostet unsere guten Mitarbeiter bei der Stange zu halten. Ursprünglich wollten wir mal in 2005 fertig sein, so wird es also jetzt rund achtzehn Monate später, aber nicht ohne Grund. Eines der wichtigsten Dinge beim Geschäftemachen, auch in Polen, ist das Timing. »Andersia Towers « Anfang / Mitte 2005 auf den Markt zu bringen wäre fast mit Selbstmord zu vergleichen. So haben wir abgewartet auf eine sich eventuell abzeichnende Markverbesserung und haben dann genau im richtigen Moment in 2005 den Startschuss für den Hochbau gegeben. Das Gebäude kommt nun auf einen nahezu leergefegten Büromarkt auf den Markt und auch die Hotellerie erholt sich in Polen dramatisch.


Auch an dieser Stelle möchte ich betonen, skeptisch war ich nie, sondern nur vorsichtig. Wir haben inzwischen in Europa rund 700 Mitarbeiter und werden Ende 2008 bei über 1000 liegen, davon werden rund 30 Prozent in Polen für uns tätig sein. Allerdings bereitet uns dieses Wachstum auch Probleme, die Lohnkosten steigen exponentiell und die Lohnebenkosten in Polen sind oftmals der Sargnagel für die eine oder andere Expansionsidee.


 

In 2001 wurde das PFC in Póznan eröffnet, das Poznan Financial Centre, das erste moderne Bürogebäude in der polnischen Messestadt und ein Gebäude mit höchsten europäischen Standards, wofür Sie beziehungsweise Ihre Firma als spiritus rector mehrere Auszeichnungen erhielten. Es wird als Ihr erstes Referenzprojekt bezeichnet. Was kennzeichnet diese zweite Etappe Ihrer Geschäftstätigkeit in Polen, wenn man so periodisierendarf?


Sven von der Heyden: Wir haben erkannt, dass das Qualitätssegment eine Nische ist, in welche wir konzeptionell, gedanklich und gefühlsmäßig reinpassen. Poznan Financial Centre war in 2001 eine technische Sensation, auch hatten wir es geschafft, den damals größten Mietvertrag der Polnischen Nachkriegsgeschichte, noch dazu nicht in Warschau, sondern in Poznan mit der BZWBK Bank abzuschließen. Darauf bin ich sehr stolz, denn wir haben damals wirklich viel riskiert und sind dafür belohnt worden. Wir haben trotz des Risikos aber nicht den Fehler begangen, plötzlich bei den Baukosten zu sparen, sondern uns zum Ziel gesetzt, das beste Gebäude der Stadt zu bauen, und dies weit vor Abschluss des Mietvertrages mit der größten Regionalbank.


 

In 2002 wurden Sie sogar von den Lesern des Construction Journals zum »Mann des Jahres« gewählt, und seit der Fertigstellung des PFC in Poznan, Liberty Corner in der Nähe des 3-Kreuze Platzes in Warschau, des Headquarters für den Polnischen Bankeneinlagensicherungsfonds in der Skorupki 3, reißt die Reihe Ihrer Projekte, die mit Auszeichnungen bedacht werden, nicht nur in Polen, sondern international, nicht ab. Sie sind sozusagen auf dem Höhepunkt des Images, das ein Geschäftsmann in Polen erreichen kann. So gesehen sind Sie ein leuchtendes Beispiel für künftige Investoren in Polen, für die der Management Guide POLEN geschrieben wurde. In den letzten fünfzehn Jahren gab es starke Veränderungen in Polen. Welche Empfehlungen würden Sie deutschen Investoren auf den Weg mitgeben, die heute in Polen starten, um Erfolg zu haben?


Nun, ich kenne einige, zu denen ich hochschaue, welche mich und uns ganz klein aussehen lassen…. Aber sicherlich sind solche Auszeichnungen immer ein Meilenstein und tun gut, schließlich arbeiten wir zehntausende Stunden bis zur Fertigstellung eines Objektes.


Das wichtigste, was ich als Deutscher gelernt habe, ist den Polen auf gleicher Augenhöhe entgegenzukommen, die Polen als kompetente Partner zu akzeptieren und den »Deutschen Lehrstock« zu Hause zu lassen. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie oft ich mich über bornierte Landsleute im Flugzeug auf dem Rückweg von Warschau nach München und über deren dummen Sprüche geärgert habe. Polen sind sehr sensible Menschen und ich kann nur jedem empfehlen, sich geschichtlich etwas fit zu machen. Wenn man dann noch das eine oder andere polnische Wort schon am Anfang in die Begrüßung wirft, erntet man ein herzliches und offenes Lachen. Glauben Sie nicht jedem dahergelaufenen Vermittler oder Berater, da gibt es wie in den meisten Ländern viele Scharlatane. Eine schlechte Erfahrung reflektiert dann in den Augen des Neuankömmlings auf das ganze Land, und das wäre falsch und schade. Junge Polen sind ehrgeizig, gut präpariert und willig weiterzukommen und haben nicht so sehr die teilweise noch etwas melancholische Sichtweise älterer Polen, die noch von den Nachkriegswirren oder sogar den Kriegsjahren geprägt sind.


Wenn die Anzahl der ob ihrer Vorurteile und ihres Unwissens über Polen beschämten Familienmitglieder und Freunde, die ich nach einem Kurzbesuch wieder nach Deutschland verabschiedet habe, ein Indikator für die Attraktivität des Landes Polens ist, dann seien Sie versichert, dies ist es!


 

Vielen Dank, Herr von der Heyden, für dieses Interview. Vielen Dank für Ihr Engagement für den Management Guide POLEN.

 
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