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Am Bogenhausener Tor bekommt das BAB-Ende von Riem/Passau ein neues Gesicht:

Spanische Architekten sollen die östliche Stadteinfahrt prägen


Ein Investorenwettbewerb um Münchens Einfahrts"tor" von Osten ist entschieden: Die spanischen Nieto Sobejano Arquitectos sollen das "Bogenhausener Tor" errichten. Der zweite Preis ging an 03 München, der dritte an Allmann Sattler Wappner.

 

Bauen wird in enger Abstimmung mit der Stadt die von der Heyden Group über ihre Tochterfirma Bogenhausener Tor Immobilien GmbH (BTI) zusammen mit der Zürich Versicherung AG München. Noch gehört ein Teil der Grundstücke der Stadt. Sie will aber verkaufen und mit diesem Erlös den langsam fertig werdenden Straßenbau mitfinanzieren.

 

Investor Sven von der Heyden stammt aus München, hat aber bisher meist in Spanien und Polen gebaut. Sein Unternehmen hatte von zwei Erbengemeinschaften und dem Süddeutschen Verlag Ende 2006 die drei bisherigen Büro- und ein Lagergebäude mit insgesamt gut 20.000 Quadratmetern Nutzfläche erworben (13.000 Quadratmeter Bürofläche, ca. 6.500 Quadratmeter Lagerflächeund rund 180 PKW Stellplätze). Von der Heyden will die asbestverseuchten Hochhäuser am Beginn der Autobahn Passau abreißen lassen und auf beiden Seiten der neuen Stadteinfahrt bis zu100.000 Quadratmeter Büro- und (die nahe Messe lässt grüßen) Hotelfläche schaffen. Die neuen Gebäude bleiben deutlich unter der Hundert-Meter-Grenze, vor allem um die Sichtachse aus der Stadt über die Prinzregentenstraße und den Friedensengel nicht zu stören. Wie auch Allmann Sattler Wappner, die den dritten Preis bekamen, wollen Nieto Sobejano zwischen beiden Seiten des Neubaugebietes eine Fußgängerbrücke über den Autobahnzubringer bauen.

 

Auch die Architekten Enrique Sobejano und Fuensanta Nieto planen ihre fünf Bürogebäude in Art eines offenen Stadttors. Fuensanta Nieto (links) und Juan Sobejano (daneben) haben zuletzt 2008 im spanischen Saragossa ein neues Kongresszentrum entworfen. Vor knapp einem Jahr wurde ihr viel beachtetes archäologischen Museums Madinat al Zahra in Córdoba eröffnet. In Graz haben Nieto Sobejano das Landesmuseum Joanneum erweitert und einem Kaufhaus eine neue Dachlandschaft aufgesetzt. In Halle (Sachsen-Anhalt) verwirklichten sie den neuen Ausstellungsflügel der historischen Moritzburg. Dort haben Nieto Sobejano die historische Bausubstanz verschiedener Stilepochen der spätmittelalterlichen Burganlage mit einer zeitgenössischen Architektursprache verbunden und damit das traditionsreiche Haus für die Gegenwart geöffnet. Ihr deutsches Büro ist in Berlin.

 

Eine Ansammlung mittelhoher Hochhäuser hatte auch der 2. Preisträger vorgeschlagen, das Büro 03 München. Dessen Bauten hätten sich ebenfalls als freie Formen zeigen sollen, aber ohne Verbindung über die Autobahnzufahrt hinweg. "Beim schnellen Durchfahren oder langsamen Durchschreiten, der Änderung der Blickpunkte des Betrachters zusammen mit den wechselnden Lichtverhältnissen, entsteht ein Spiel von Licht und Schatten, von Ein- und Durchblicken, bauen sich Fassaden hoch auf, verlaufen sich perspektivisch steil in den Himmel oder verschließen einem als Wand das geheimnisvolle Innere", hatte 03 zu seinem Entwurf geschrieben. Zwischen den Hochbauten hatte das Büro einen "goldenen Garten" vorgeschlagen und diesen höchst poetisch angespriesen: "Es ist der geschützte Ort, der Ort der Wünsche und Geschichten. Er kann schützen, bergen, neugierig machen und Phantasien beflügeln. Er lässt uns innehalten, verweilen,  ntspannen, spielen und tagträumen. Er ist offen für alle und bietet doch jedem Rückzug. Gewaltige Geweihbäume bilden das Dach dieses Gartens, den man von außen nach Innen durch mehrere Schalen aus zart geschwungenen Hügelrücken betritt, die sich, wie sich der Rücken eines Karpfens sanft aus dem Wasser hebt, aus der Ebene formieren. Die Hügel schützen vor Lärm und laden im Winter zum Rodeln ein. Die golden wogenden hohen Gräser ziehen zwischen Ebene und Höhe eigene Bahnen. Im Inneren des Gartens wird man von einer zarten Mulde empfangen auf deren Grund ein goldenes Wasser funkelt. Hier ist man völlig zurückgezogen, ohne Lärm, in einer eigenen Welt."

 

Die Jury fand zwar gut, "wie die zu erwartende bauliche Dichte nicht auf die Konvention und den Blockrand setzt, sondern das Brüchige der heutigen Situation zu einer offenen rhythmischen Verwebung mit dem grünen Raum kultiviert", befürchtete aber "eine unzulässige Lärmbelästigung in diesen Freiflächen, auch über die Gebäude weiter getragen". Sie attestierte dem Entwurf "Rigorosität", aber auch " einen abrupten Bruch aus der Perspektive der Einsteinstraße" (oben rechts). Also sprach sie von einem "fremden Maßstab, zu hoch, zu massiv, zu distanziert, zu cool" und davon, dass 03 "für die wichtige Forderung nach Annäherung und Orientierung noch nicht die überzeugenden Bilder liefert." So entschieden denn Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano dieses fürs Münchner Stadtbild ganz entscheidende "Tor" für sich. In zwei Jahren will Sven von der Heyden eine Baugenehmigung haben und anfangen können.

 

Gernot Brauer

 

 

 
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